Es gibt zu viele Quallen in unseren Meeren und der Bestand wächst weiter. Ist die Lösung sie zu essen?

Wir haben ein Quallen-Problem. 2006 wurde durch Quallen ein Amerikanisches Kriegsschiff außer Kraft gesetzt, 2011 musste ein Kernkraftwerk abgeschaltet werden und 2014 tötete ein Schwarm von Quallen 300.000 Fische einer Lachszucht in Schottland. Auch der Tourismus leidet unter dieser Plage. Im Mittelmeerraum stieg seit 2004 die Population von Quallen um das Vierfache an. Durch diese drastische Entwicklung sind viele Badestrände gefährdet und damit auch viele Orte die vom Tourismus leben.

Durch das Fehlen von historischen Daten ist man sich nicht sicher ob der Quallen-Boom durch den Klimawandel ausgelöst wird oder durch die Überfischung natürlicher Feinde. Australische Wissenschaftler sind sogar der Meinung dass Quallen durch den steigenden Säuregehalt letztendlich alles andere Leben der Ozeane zerstören werden.

Die Antwort? Sie essen. Zumindest wenn es nach Stefano Piraino ginge. Der Zoologie Professor aus Salento, Italien steht hinter einer EU finanzierten Studie die Quallen als Nahrungsmittel untersucht.

„Wir müssen uns anpassen um dieses Problem in eine Chance umzuwandeln.“

„Wir analysierten die chemische Zusammensetzung von Quallen im Mittelmeer und realisierten dass diese sehr ähnlich zu den essbaren Exemplaren im Fernen Osten ist. Also dachten wir uns: Warum versuchen wir nicht sie zu essen?“

Quallen als Nachhaltige Mahlzeit

Ein enormer Vorteil von Quallen als Nahrungsquelle ist die Nachhaltigkeit. Durch die ungeschlechtliche Fortpflanzung beeinträchtigt das Entfernen einer Qualle aus dem Meer die Population nicht. Im Gegensatz zu den meisten Fischarten gibt es kaum die Möglichkeit der permanenten Dezimierung der Bestände.

Schmecken Quallen überhaupt?

Quallen haben einen zarten, leicht salzigen Geschmack und werden daher mehr wegen der spezifischen Textur gegessen. Wegen der schmierigen aber leicht zähen Konsistenz essen chinesische und japanische Feinschmecker Quallen meist roh oder als Teil eines Salates. In Sizilien und Sardinien gelten bereits ähnliche Meerestiere in frittierter Form als lokale Delikatesse. Laut Piraino ist es daher nur eine Frage der Zeit bis wir uns daran gewöhnen Quallen zu essen. Asiatische Exporteure tun sich bereits schwer die steigende Nachfrage nach Quallen für in Italien lebenden Chinesen zu stillen.

Dass demnächst bei Nordsee frittierte Quallen am Menü stehen ist wohl unwahrscheinlich. Was jedoch möglich ist, ist dass du bei deinem nächsten Süditalien Urlaub auf essbare Quallen stoßt. Wenn das der Fall ist berichte uns bitte davon, wir sind neugierig.

 

Quelle: The Guardian, Newscientist, BBC